Mittwoch, 29. Dezember 2021

Hypervigilanz

 

 

 

Jeder Mensch hat einen serienmäßig eingebauten automatischen Zähler für Freundlichkeiten und Mikroaggressionen. In der östlichen Moraltradition gilt der Spruch, dass jede schlechte Tat mit zehn guten ausgeglichen werden muss, d. h. es wird ein Verhältnis von  Freundlichkeiten zu Mikroaggressionen von 10:1 gefordert, damit die Bilanz ausgeglichen ist.

Die Verhaltenspsychologie ist da etwas optimistischer und hält lediglich ein Verhältnis von 5:1 für notwendig, damit man sich von seinen Mitmenschen gerecht behandelt fühlt. Freundliche Menschen sehen als Balance vielleicht ein Verhältnis von Freundlichkeiten zu Mikroaggressionen von 3:1 oder 2:1, wahrhaft Gerechte, nennen wir sie mal so, 1:1.

Gute Menschen oder Heilige ertragen mehr Mikroaggressionen, als sie Freundlichkeiten fordern. Sie schalten manchmal den Zähler einfach ab und verzeihen ohne Hintergedanken.

Von Hypervigilanz spricht man, wenn das als Balance erlebte Verhältnis von Freundlichkeiten zu Mikroaggressionen den Normalwert von 5:1 bis 10:1 übersteigt. Hypervigilant sind z. B. pathologische Narzissten: Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung fordern ein Verhältnis von 100:1 oder sie halten Freundlichkeiten für selbstverständlich und vergessen sie sofort, jede Mikroaggression halten sie aber lange, manchmal ein Leben lang, im Gedächtnis.

Dienstag, 7. Dezember 2021

Woher der Hass kommt

 

 

 

In den entwickelten Ländern ist für die basic needs auf Maslows Bedürfnispyramide gesorgt. Den havenots, den Abgehängten, geht es um love and belonging, während die haves um Selbstverwirklichung kämpfen. Da ohne die Befriedigung der psychosozialen Grundbedürfnisse den meisten keine Persönlichkeitsentwicklung gelingt, und sie beruflich, sozial und spirituell scheitern, müssen sie um love and belonging kämpfen, aber wie? Das ist nicht etwas wie Brot und Wasser, es handelt sich nicht um materielle Dinge wie Häuser und Autos. Man kann diese Dinge nicht bekommen, wenn man sie anderen durch Gewalt oder mit staatlicher Hilfe wegnimmt. Deshalb kämpfen sie damit, dass sie Hass verbreiten, und sich mit Mithassenden, mit denen sie nichts verbindet, Zusammengehörigkeit erreichen. Den haves soll durch die Atmosphäre des Hasses love versalzen werden, durch das gemeinsame Hasshandeln erreichen die havenots belonging.

Freitag, 12. November 2021

Idioten

 

 

 

Dass die meisten Menschen Idioten sind, weiß jeder Idiot, nur zählt er sich eben nicht dazu. Der Idiot weiß aber nicht, was es bedeutet, ein Idiot zu sein (oder kein Idiot zu sein), weshalb ihn die Tatsache, dass die meisten Menschen Idioten sind, nicht wirklich schockieren kann. Wer kein Idiot ist, sieht die Konsequenzen dessen, dass die meisten Menschen Idioten sind, und wenn er es ausspricht, dann mit einem Gefühl der Verzweiflung, nicht der Überlegenheit.

Es kommt auf die wenigen Nicht-Idioten an, damit die Menschheit lebt, gedeiht, oder zumindest nicht ausstirbt. Alles, was diese Wenigen in der Menschheitsgeschichte tun konnten, war, idiotensichere Technologien und Institutionen durchzusetzen, sodass die Idioten-Mehrheit trotz Dummheit und Ignoranz sich an etwas halten konnte, dessen Sinn und Funktionsweise sie nie verstand.

Der Nicht-Idiot ist meistens Eremit oder er hat einen kleinen Freundeskreis, er ist nie beliebt oder geliebt; er wandelt einsam in einer Wüste aus menschlichem Beton, bis er, wenn er Glück hat, vielleicht eine Blume der Menschlichkeit entdeckt, oder, weniger metaphorisch ausgedrückt, einen Menschen in einer menschenleeren Zombie-Welt.

Samstag, 28. August 2021

Absolute und relative Richtung

 

 

Norden und Süden sind absolute Richtungen: vom Südpol geht es nur noch nach Norden, vom Nordpol nur nach Süden. Die Pole sind die Endziele. Geht man aber immer weiter nach Osten, landet man im Westen und umgekehrt (bzw. man erreicht den Anfangspunkt aus der Gegenrichtung).

Alles Empirische ist eine Metapher für das Geistige, so auch der Globus. Zu viel Gesundheitsvorsorge macht krank (zumindest hypochondrisch), bei zu ungesunder Lebensweise erübrigt sich die Gesundheit, da man schnell stirbt. Durst tötet, viel Wasser trinken tötet auch. Extreme sind schlecht, eine optimale Mitte ist zu finden. So ist das mit dem Relativen.

Im Absoluten ist es umgekehrt: es gibt ein absolutes Oben und ein absolutes Unten. Nichts ist besser als das absolute Gute, nichts schlechter als das absolute Böse (auch wenn man es als Abwesenheit des Guten definiert: dann ist die Hölle der Ort, an dem der Anteil des Guten 0% beträgt).

Die absolute, polare Betrachtung ist solar, die breitengradbewusste lunar, die breitengradindifferente chthonisch-tellurisch.

Sonntag, 15. August 2021

Das gegenwärtige Antisystem

 

 

 

Ultradekadenz ist an sich ein wehrloser Zustand, der sich nicht selbst erhalten kann. Dass der ultradekadente Westen einen wehrhaften, vitalen Kern hat, deutet auf ein Antisystem nach Lew Gumiljow hin: Antisysteme sind lebensfeindliche, negativistische psychopolitische Paradigmen, die sich früher, als Religionen das allgemeine Bewusstsein dominierten, auch selbst als Religionen präsentierten (z. B. Manichäismus).

Das Leben dient im spätkapitalistischen Antisystem der toten Materie: Vernichtung von Lebensräumen und Arten, Störung des Weltklimas, Vermüllung der Umwelt. Auch der Mensch als lebendes Wesen hat nichts davon. Alles richtet sich nach der Logik des Profits. Das Kapital ist totes bzw. maschinenartiges Subjekt, es lebt nicht, es fühlt nicht. Aber es vernichtet Leben, es zerstört die menschliche Psyche. Es eignet sich parasitär Errungenschaften des menschlichen Geistes an und lässt als Abfallprodukt eine Art Schlaraffenland entstehen, doch der Wohlstand dient nicht dem Wohl der Menschen, sondern bringt sie zum Schweigen, bricht ihren Widerstand, macht sie passiv und abhängig. Die Degeneration der Gesellschaft zur totalen Ultradekadenz wird beschleunigt und global exportiert.

Wie in Giorgio Agambens KZ-Paradigma wird das Leben nicht als Subjekt betrachtet, sondern vom System als nacktes, verfügbares, beherrschbares Leben behandelt. Es wird unter die Herrschaft toter Materie gebracht. Ein globales Antisystem zerstört wie jedes Antisystem sich selbst (z. B. antinatalistische Sekten zerstören sich selbst, indem ihre Mitglieder aussterben), aber erst nachdem es die ganze Welt in eine Antiwelt verwandelt hat. Selbstverständlich wehren sich alle Völker und Kulturen, die nicht ultradekadent sind, gegen dieses KZ-Antisystem.

Mittwoch, 11. August 2021

Das Glücklichenparadox

 

 

 

Aus Beobachtung, Erzählung und Erfahrung weiß ich, dass glückliche Menschen sich weniger als unglückliche um ihr Leben sorgen, während unglückliche Menschen sich im Leben mehr Sorgen machen und auch mehr Angst vor dem Tod haben. Der, dem es gut geht, müsste doch das Leben mehr schätzen und den Tod mehr fürchten als jemand, der "eh nichts zu verlieren hat"? Doch dem ist nicht so. Das ist scheinbar ein Paradox.

Glück ist ein positives Gefühl. Es wird nicht als Abwesenheit von Unglück erlebt (wie Schopenhauer behauptet). Leben und Tod gehören zusammen, das Gegenteil beider ist das Nichts (Gumiljows weise Einsicht). Wer glücklich ist, dessen Glücksgefühl überträgt sich auch auf die Wahrnehmung der eigenen Sterblichkeit, und der Tod erscheint nicht mehr als Bedrohung des mit dem Leben verbundenen Glückszustandes. Der Glückliche nimmt das Leben wie es kommt, er ist ja zufrieden damit. Glücklichsein ist kein Abstraktum, das sich über eine bestimmte Jahreszahl an Lebenserwartung erstreckt, sondern etwas Konkretes, das im Jetzt erlebt wird. Daher gibt es bei glücklichen Menschen keinen Erlebnismaterialismus und auch keine Sorgen um die Zukunft. Ich bin jetzt glücklich; sterbe ich heute, so sterbe ich so glücklich, wie ich gerade bin.

Unglück ist ein negatives Gefühl. Es ist die leidvolle Abwesenheit von Glück, das man begehrt und sich vorstellt. Unglückliche haben die Sorge, das erhoffte Glück nie zu erleben und auch die Angst, dass ihr Leben endet, bevor sie Glück erlebt haben. So klammern sie sich an das Leben und fürchten den Tod. Oder sie klammern sich an den Tod als das Versprechen eines glücklichen Jenseits und hassen das Leben, können es aber nicht beenden, weil sie nicht sicher sind, ob etwas nach dem Tod kommt, und was das sein wird. Sterben, ohne gelebt zu haben, ist keine glückliche Aussicht; aber auch das Weiterleben im unglücklichen Zustand macht nur Angst und Sorgen.

Sonntag, 4. Juli 2021

Kognitive Funktionen IV: Sinnlichkeit

 

 

 

"Nichts war im Verstande, was nicht vorher in den Sinnen war". Der Satz ist Legende. Und noch legendärer die Antwort: "Außer dem Verstande selbst". Locke wollte nichts gelten lassen, was auch in einem Gehirn im Tank passieren könnte: der Rationalismus kann die Denkimmanenz nicht durchbrechen. Doch Leibniz wusste, dass es unerlässlichst des Verstandes bedurfte, um die empirische Mannigfaltigkeit zu deuten. Kant fällte schließlich den Richterspruch der Vernunft, dass die Sinnlichkeit ohne das Denken blind, und das Denken ohne das Material der Sinneseindrücke leer sei.

Nur die sinnliche Wahrnehmung verbindet das Bewusstsein, scheinbar unmittelbar, mit etwas außerhalb seiner selbst. Intuitive Wahrnehmung ist interpersonal, also vermittelt. Schmerz und Begierde zeigen die Sinnlichkeit als das existenziell Ursprüngliche. Und dieses Ursprüngliche ist außen, während das Fühlen innen an der Außengrenze, das Denken noch weiter im Inneren und die Intuition das Innerlichste ist.

Eine Erinnerung an frühere In- und Reinkarnationen könnte, sofern für möglich gehalten, nur durch Intuition geleistet werden, aber niemals logisch bewiesen, ja nicht einmal rational behauptet werden. Die wertenden Funktionen Denken und Fühlen kennen das Wissen, das Glauben und das Meinen. Die wahrnehmende Intuition kennt das Ahnen, die wahrnehmende Sinnlichkeit kennt die unmittelbare sinnliche Gewissheit, die durch das Denken widerlegt (Hegels Phänomenologie des Geistes) und durch das Fühlen bezweifelt wird (pyrrhonische Skepsis).

Kognitive Funktionen III: Intuition

 

 

 

Ich kannte den Begriff eine lange Zeit nur durch den Ausdruck "weibliche Intuition". Weiblich ist aber das Fühlen, nicht die Intuition: das (männliche) Denken richtet sich nach den Sätzen der Logik, z. B. dem Satz der Identität und dem Satz des zu vermeidenden Widerspruchs. Das (weibliche) Fühlen lässt zwei widersprüchliche Gefühle zugleich zu, z. B. Angst und Abscheu vor einer Vergewaltigung und die lustbesetzte Vergewaltigungsphantasie. Der Mann interpretiert dies entweder so: "Unschuldiger Engel, muss beschützt werden" oder "Dreckige Nutte, will vergewaltigt werden". Er will mit dem Denken Gefühle verstehen, und das ist unmöglich: Gefühle werden mit dem Einfühlen (Empathie) verstanden.

Aber was ist Intuition? Eine wahrnehmende, keine wertende kognitive Funktion. Wahrnehmung wird intuitiv mit Sinnlichkeit gleichgesetzt. Wie das Wort "intuitiv" im Satz verwendet wird, zeigt, dass Intuition kein Denkakt ist, sondern auf alle vorangegangenen Denkakte rekurriert. Intuition ist nicht sinnliches, sondern geistiges Wahrnehmen. Gefühlt ist Intuition näher am Denken als am Fühlen: Daniel Kahneman nennt das, was der kognitiven Funktion der Intuition entspricht "schnelles Denken" und das eigentliche Denken "langsames Denken". Intuition ist aber mehr als anstrenglungsloses Denken auf Autopilot.

Der intuitive Verstand sieht das Ganze, das bloße Denken ohne Intuition würde keinen Wald erkennen, sondern nur Bäume. Wenn die Definition von Wald "100 und mehr Bäume" wäre, würde das Denken die Bäume zählen und durch das Ergebnis feststellen, ob es sich um einen Wald handelt. Und ist es wirklich ein Fehler, wenn die Intuition in Bruchteilen einer Sekunde 98 Bäume als einen Wald erkennt?

Extravertierte Intuition (Ne) ist Bäuerinnenschläue, extravertiertes Fühlen (Fe) ist kognitive Empathie. Der weibliche, nicht trennende, sondern verbindende Zugang zur Außenwelt, braucht keine langen Analysen, um die Lage zu checken. Dominieren diese beiden Funktionen (wie insbesondere bei ESFJs und ENTPs), ist es leichter, herauszufinden, was andere wollen, als was man selbst will. Introvertierte Intuition (Ni) ist dagegen das Zielsuchgerät der individuellen Sinnfindung und konzentriert die Willenskraft auf einen Punkt.

Freitag, 2. Juli 2021

Kognitive Funktionen II: Denken

 

 

 

Denken ist Unterscheiden (Dihairesis), aktives Bewusstsein. Passives, wahrnehmendes Bewusstsein ist die Sinnlichkeit. Die Philosophietradition in ihrem herrlich-herrschaftlichen Androzentrismus konzentriert sich auf Denken und Sinnlichkeit, die kognitiven Funktionen Fühlen und Intuition nimmt sie nicht für voll.

Extravertierte Sinnlichkeit (Se) ist Greifen, extravertiertes Denken (Te) ist Begreifen, beides maskuline Weltbezüge. Extravertiertes Fühlen (Fe) und extravertierte Intuition (Ne) sind weibliche Beziehungsformen zur Außenwelt.

Denken bezieht sich nicht unmittelbar auf die Außenwelt, sondern auf die Sinneswahrnehmung (Empirismus) und sich selbst (Rationalismus). Extravertiertes Denken findet Zusammenhänge, introvertiertes Denken prüft Widersprüche.

Denken unterscheidet nicht nur Bewusstseinsinhalte und Dinge voneinander, sondern auch sich selbst vom Gedachten (Subjekt/Objekt), Fühlen setzt sich hingegen in Beziehung zum Gefühlten.

Kognitive Funktionen I: Fühlen

 

 

 

Empathie (extravertiertes Fühlen: zerstreute Empathie; intovertiertes Fühlen: konzentrierte Empathie) ist an der Schwelle zwischen Wahrnehmen und Handeln.

Extravertiertes Fühlen (Fe): Ich nehme die Gefühle anderer Menschen wahr und fühle mit.

Introvertiertes Fühlen (Fi): Wenn ich verliebt bin, ist das ein Zustand, den ich an mir selbst wahrnehme, aber Verliebtsein bedeutet zugleich, dass ich liebe, in wen ich verliebt bin, d. h. es ist ein Zustand, der zugleich auch eine Handlung ist.

Fühlen ist mehr als bloßes Wahrnehmen (es ist teilnehmendes Wahrnehmen), aber weniger als reines Handeln (weil kein absichtsvolles Handeln). Denken ist dagegen bewusstes, aber distanziertes kognitives Handeln (Subjekt/Objekt): urteilen und schließen, lösen und werten.

Fühlen ist schwach wertend, Denken ist stark wertend.

Sonntag, 13. Juni 2021

Liebe und Sex: Weiningers Differenzierung

 

 

 

"Ich mag Miezen" bedeutet nicht "Ich stehe auf junge Frauen", aber es hängt damit zusammen. Wenn ich eine Mieze liebe, will ich keinen Sex mit ihr, sondern liebe sie; dennoch wird sie gerade durch die Liebe zum Objekt der Begierde. Warum?

Nach Otto Weininger verhält sich Liebe zur Sexualität wie Hoffnung zur Furcht. Die Furcht ist die Schattenseite der Hoffnung, ihre Negation: wenn ich hoffe, dass A passiert, fürchte ich zwangsläufig, dass A nicht passiert.

Wenn ich im obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers wohne, kann ich tiefer und tödlicher aus dem Fenster fallen als vom Balkon eines zweistöckigen Hauses. Je höher die Höhe, umso tiefer kann der Fall sein.

Je schöner das Mädchen, umso wertvoller die Unschuld, und größer die Angst vor deren Verlust. Nur die Realisierungsmöglichkeit macht den Wert real. Wenn ich nicht 200 Stockwerke tief fallen kann, wohne ich nicht wirklich im obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers. Wenn die Mieze nicht in einem Rausch sexueller Entropie vernascht werden kann, ist ihre Schönheit nicht real.

Sexuelle Begierde ist wie die Furcht, jemand anders könnte deine 1000 Euro teure Flasche Whisky stehlen und austrinken. Wer die Furcht nicht aushält, trinkt den Whisky selber aus, bevor es jemand anders tut. Die Mieze selbst erlebt den Sexakt als Rausch der Entropie: Selbstrealisierung durch Selbstkonsum/Selbstgenuss; durch sexuelle Selbstzerstörung wird maximale Selbstwirksamkeit erlebt.

Natürlich handelt es sich bei der Betrachtung um reine idealisierende Liebe und ihren sexuellen Schatten. Es handelt sich nicht um Alltagssex, der eher gemeinsamer Masturbation gleicht.

Sex und Gewalt: Porno und Horror

 

 

 

Der Mensch ist zu unbeschreiblicher Destruktivität fähig. Die Ambivalenz des Menschen äußert sich insbesondere in Dichotomien Freundschaft/Feindschaft und Liebe/Sex. Während die erste Dichotomie durch politische Bildung, Erinnerungskultur, Gewalt- und Horrorfilme psychologisch verarbeitet wird, wird bei Liebe und Sex so getan, als gäbe es keinen Gegensatz, sondern als seien Schwarz und Weiß dieselbe Farbe, und damit findet auch keine psychologische Verarbeitung des destruktiven Sexualtriebes statt, es sei denn, er spielt die zweite Rolle bei einer Gewalttat.

In der Serie "The Walking Dead" (die in letzter Zeit eine fast zusammenhanglose Aneinanderreihung von Folgen sehr unterschiedlicher Qualität ist) wird die Dichotomie Freundschaft/Feindschaft in Staffel 10 Folge 19 exzellent verarbeitet: gezwungen, russisches Roulette zu spielen, mit der Wahl, sich selbst oder einem Freund in den Kopf zu schießen, riskieren zwei Protagonisten immer wieder das eigene Leben. Der Feind aber wird bei der ersten Gelegenheit kaltblütig ermordet, und zwar just in dem Moment, in dem er, durch altruistisches Verhalten der beiden Gefangenen wieder an das Gute im Menschen glaubend, sich entschließt, die Feindschaft zu beenden.

Die Neigung zu extremer Gewalt verarbeitet die gegenwärtige Kultur in Dokumentationen über Massaker und Genozide, kanalisiert Rache- und Selbstjustizphantasien in unzähligen Filmen und Serien, thematisiert in anspruchsvollen Filmen die Sinnlosigkeit der Gewalt. Ungehemmtes Ausleben der Sexualität wird hingegen nicht als Anschlag auf Liebe/Liebesfähigkeit thematisiert, sondern zum Ideal erhoben. In der Popkultur werden Liebe und Sex synonym verwendet, weshalb unvermeidlich die höhere, feinere, zartere Liebe der gröberen Sexualität nach dem Gesetz der Entropie zum Opfer fällt. Unzählige Pornos geilen ihre Zuschauer nur auf, selbst die perversesten und abartigsten pornographischen Filme erfüllen nicht die Funktion der Katharsis wie etwa Horrorfilme, sondern ermutigen auch im realen Leben zu Grenzüberschreitungen.

Mittwoch, 9. Juni 2021

Nicht nicht nicht kommunizieren

 

 

 

Watzlawicks Postulat "Man kann nicht nicht kommunizieren" ist kein deskriptiver, sondern ein normativer (extranormativer) Satz. Nichtkommunikation ist emotionale Privatsphäre. Viele Missverständnisse entstehen gerade dadurch, dass eine nichtkommunikative (sachlich notwendige oder willkürliche, aber private) Tat als kommunikative Handlung gedeutet wird. 

Der selbsternannte Empfänger bezieht das Resultat des Kopfschmerzes, der Müdigkeit oder der Konzentration auf den eigenen Gedankenfluss des unfreiwilligen Senders auf sich und fühlt sich unfreundlich angeguckt, respektlos angegähnt oder ignoriert.

Dienstag, 25. Mai 2021

Female Priviege

 

 

 

Den Ursprung des female privilege sehen die Einen im zeitlichen Vorsprung der Frau beim biologisch bedingten Erreichen des höchsten sexuellen Marktwerts (SMV): die Frau erreicht mit Anfang 20, der Mann mit Ende 40 den höchsten soziosexuellen Wert, die Anderen sehen in der wiederum biologisch bedingten engeren Bindung zum weiblichen Elternteil die Ursache dessen, dass Frauen das privilegierte Geschlecht sind.

Die Dirnentheoretiker behaupten, der hohe sexuelle Druck unter jungen Männern sorge für einen harten Konkurrenzkampf um Frauen, während deren Gegner auf die zeitliche Begrenztheit der weiblichen Fruchtbarkeit hinweisen (ein Mann kann auch erst mit 40, wenn er soziales Kapital aufgebaut hat, in den sexuellen Markt eintreten, während eine Frau sich optimalerweise vor 30 fortgepflanzt haben muss). Für die Muttertheoretiker besteht der Grund dafür, dass Frauen geschont und Männer verheizt werden, in der Identifikation des Weibes an sich mit der Mutter: aus der Furcht, die Mutterliebe zu verlieren entstünde so das Gebot, Frauen in der Gesellschaft eine privilegierte Stellung zuzugestehen. Dies hat aber zur Voraussetzung, dass Männer (oder vielleicht alle Menschen) psychologisch niemals erwachsen werden, sondern im infantilen Stadium verbleiben.

Beide Seiten sind sich einig, dass die soziale Bevorzugung der Frau biologisch und nicht kulturell bedingt ist. Entfernt sich der kulturelle Überbau von biologischen Wurzeln der Tierart Mensch, kann theoretisch auch eine Geschlechter gleich behandelnde oder sogar androzentrische Gesellschaft entstehen.

Samstag, 15. Mai 2021

Objektontologie

 

 

 

Die Kultur ist die Welt des allgemeinen Subjekts (des Menschen als Menschen), die Dekadenz ist die Welt des einzelnen Subjekts (des Menschen als Individuum), die Ultradekadenz ist die Welt der Objekte als automatische Subjekte.

Das menschliche Objekt mit dem höchsten sexuellen Marktwert (das ist der für den Menschen revelante Objektwert) ist die junge Frau. Die Lebenswelt wird immer mehr von immer sexualisierter auftretenden jungen Frauen dominiert (die explizit als Sexualobjekte auftreten: größtenteils mit ihrer Sexualität erfolgreiche Künstlerinnen, natürlich auch Models, banalerweise auch bloß Sexy Girls). Seit einigen Jahren erobert die junge Frau die Politik: es gibt vermehrt sehr junge Aktivistinnen ohne Kompetenz und Erfahrung, denen die ganze Welt zuhört, nur weil sie jung und weiblich sind.

Im Klimastreit zählt nicht mehr Expertenwissen, sondern die Meinung von medienwirksam in Szene gesetzten jungen Frauen. Auch bei anderen politischen Themen richtet sich im Hive Mind der Social Media die öffentliche Meinung nach diesen sprechenden, bloggenden und twitternden Objekten.

Donnerstag, 22. April 2021

Kategorischer Imperativ, introvertiert

 

 

 

Kant war ein INTP (logician), im Flow-Modus also ESFJ (supporter). Daher kommt die Extranormativität in seiner Metaphysik der Sitten. Das Wohl der anderen zu befördern, ist einem INTP im Flow-Modus ein natürliches emotionales Bedürfnis. Was man ohnehin tun will, kann nicht moralische Pflicht sein (wie Kant selbst bezüglich der Selbsterhaltung und des Strebens nach Glück feststellt).

Der kategorische Imperativ verliert den Anspruch der Allgemeingültigkeit, wenn er einseitig extranormativ interpretiert wird. Es muss auch introvertierte Möglichkeiten geben, dem kategorischen Imperativ gerecht zu werden. Das taoistische Nicht-Tun ist kein extravertiert-faules Nichtstun, sondern ein introvertiertes Praktizieren der weisen Achtsamkeit (wovon das Gegenteil blinder Aktionismus wäre).

Donnerstag, 15. April 2021

Kirche gegen Gott

 

 

 

Die Katharer, Albigenser, Bogomilen usw. standen für direkten Umgang, unmittelbaren Kontakt der Seele mit Gott; die Institution Kirche sah sich in der Rolle des Vermittlers zwischen Mensch und Gott.

Die angelsächsische/amerikanische Tradition in der Religion des Atheismus ist theozentrisch: das Ich, der Gott der abendländischen Ich-Religion, steht im Mittelpunkt und jeder hat durch maximale individuelle Freiheit unmittelbaren Kontakt zu Gott.

Die kontinentale/europäische Tradition des Atheismus stellt den Staat als Vermittler zwischen dem kleinen Ich, dem Individuum, und dem großen Ich, dem Gott des Atheismus, auf. Der Staat ist die Kirche des Atheismus/der Ich-Religion.

Der angelsächsische/amerikanische Mystiker des Individualismus und der europäische Ekklesiokrat des Etatismus (in extremer Form Sozialismus/Faschismus/Kommunismus) kämpfen im 21. Jahrhundert einen Krieg um die Vergangenheit: Was ist unsere Tradition? Wer sind wir als westliche Welt? Definieren wir uns über den Individualismus oder den Imperialismus (Staat/Nationalstaat/Staatengemeinschaft)?

Sonntag, 21. Februar 2021

Intimität und Hedonismus

 

 

  

Der sogenannte Sex ist im Kulturzustand Ausdruck tiefster Intimität; Sex in der Kultur ist nicht die ungezügele Entfaltung der Sexualität, genauso wie Staat in der Kultur nicht grenzenlose tyrannische Gewalt bedeutet. In der Dekadenz wird im Beziehungssex ein Gleichgewicht zwischen Intimität und Hedonismis angestrebt; kommt das Gleichgewicht nicht zustande, wird das Fremdgehen zur Option, damit auch der Hedonismus ausgelebt werden kann. Im Zustand der Ultradekadenz wird Sexualität überwiegend oder ausschließlich unter dem hedonistischen Aspekt betrachtet: "Sex mit einer Jungfrau ist wie Schach mit einem Anfänger".

Jungfräulich in eine intime Beziehung zu gehen bedeutet, noch nie eine so tiefe Intimität mit einem anderen Menschen erlebt zu haben. Romantische Liebe strebt an, der/dem Geliebten so nahe zu sein, wie niemals zuvor ein anderer war. Ein Kulturmensch strebt in einer Paarbeziehung exklusive Intimität an. Daher sind auch bestimmte sexuelle Praktiken undenkbar, da sie den anderen zu einem Objekt degradieren.

Liebe und Sexualität sind die Pole* der Beziehungsachse: der Nordpol der Liebe bedeutet eine sexlose Beziehung mit tiefster emotionaler Intimität; in den Polarbreiten der Liebe wird der Körper als die Verlängerung der Psyche erlebt, und körperliche Nähe als Seelenkuscheln. In den gemäßigten Breiten kommt der Hedonismus ins Spiel, in den traurigen Tropen wird er zur Hauptsache, und am Äquator der menschlichen Natur wird Sexualität ausschließlich hedonistisch erlebt.

Weder ist das Verlangen nach Sex eine logische Folge des Verliebtseins noch ist der Sexualtrieb eine Suche nach Liebe. Die unreflektierte Vermischung von Liebe und Sexualität zeigt, dass beides Teil der menschlichen Natur ist, das Geistige und das Tierische. Nicht der Sex an sich ist "schmutzig", sondern das Ausnutzen einer Intimität, die Liebe meint, für den bloßen hedonistischen Sexualakt.

 

*Eine lyrische Metapher, kein geometrisch korrektes Gleichnis.

Mittwoch, 17. Februar 2021

SP: Die Verwahrlosten

 

 

 

Die SP-Macher, die erlebnisorientierten Sensualisten (ESTP, ESFP, ISTP, ISFP) sind ein knappes Drittel der Bevölkerung. Der natürliche Alpha ESTP und die entertainernde Frohnatur ESFP sind auch die sprichwörtlichen Chad und Stacy. Der versierte Handwerker ISTP und der virtuose Künstler ISFP sind die introvertiert-sinnlichen Gegenentwürfe. Empiristen von Natur, die im Jetzt leben. Wenn das Jetzt es mit ihnen gut meint, sind sie die lebensfrohen Sanguiniker.

Der „richtige Mann“ ESTP verkommt in der Ultradekadenz zum drogen- und alkoholsüchtigen promiskuitiven Arschloch. Die weibliche Starnatur ESFP wird die Drecksschlampe, die fucking bitch. Der ISTP hat null Bock auf gar nix und versinkt in Melancholie und Depression. Noch depressiver kann nur die labile Künstlernatur ISFP werden. Hast du, Gesellschaft, dein Verfallsstadium erreicht, kannst du zu diesem Drittel der Bevölkerung Gute Nacht sagen.

Die Gesellschaft braucht die SJ-Bewahrer, die SP-Macher brauchen die Gesellschaft. Die Muskeln brauchen das Skelett, ohne Skelett können sie so stark sein wie sie wollen, aus innen kommt keine Kraft. Das Leben im radikalen Diesseits braucht eine feste Grundlage. Darum sind SJ- und SP-Naturen ihrem Wesen nach interdependent und schließen sich instinktiv zusammen gegen die intuitiven NT-Intellektuellen und NF-Idealisten.

Dem SJ-Bewahrer musst du sagen, was er zu tun hat, dem SP-Macher musst du einen Rahmen bieten. Sonst führt deren unmittelbar sinnlich orientierte Freiheitsliebe zur Selbstzerstörung. Während der NT-Intellektuelle mit seinem Verstand einsieht, und der NF-Idealist mit seinem Herzen fühlt, warum „Kein Alkohol für Kinder“ oder „Kein Sex vor der Ehe“ notwendige Regeln sind, die für das sittlich-moralische Gute unerlässlich sind, versteht der SJ-Bewahrer ihre Relevanz nur durch sozialen Druck der Tradition und der SP-Macher nur durch ihre tatsächliche Gültigkeit, die konkrete Konsequenzen bei Nichtbefolgung zur Folge hat.

SJ: Besorgte Bürger

 

 

 

Die SJ-Bewahrer (ESTJ, ESFJ, ISTJ, ISFJ) stellen 40, gefühlt 80% der Bevölkerung dar. Sie leben in der Vergangenheit, sind borniert, intolerant und gegen alles Neue. In einer gesunden Gesellschaft sind sie als reife, weise Traditionalisten das Skelett: die bodenständige Chef-Natur ESTJ (im Gegensatz zum intuitiven Anführer ENTJ) ist der Alpha-Familienvater und dein freundlicher Polizist, Schuldirektor oder Abteilungsleiter; der ESFJ ist der Allround-Helfer, jederzeit gerne zu Diensten; der ISTJ ist der unverzichtbare Logistiker, der geborene Wächter oder der gebildete Bibliothekar; der ISFJ ist der Aufpasser auf deine Kinder, wenn männlich, im harten (schützenden), wenn weiblich, im weichen (soziokulturellen) Sinne.

Doch in einer ultradekadenten Gesellschaft versammelt sich der SJ-Mob, um gegen jede Änderung des Status Quo zu protestieren, sie wollen ihre „Negerküsse“ und „Mohrenstraßen“ behalten, hetzen gegen Schwule und Fremde. Die SJ-Natur ist das MBTI-Persönlichkeitstyp gewordene Man. Diese kurzsichtigen, im Pseudokonkreten verhafteten Menschenschläge wollen, dass alles beim Alten bleibt, ohne einzusehen, dass dieses Alte nur das Neue aus ihrer eigenen Kindheit ist. Sie wollen selbst nicht in die Welt ihrer Großeltern zurück, aber sie zwingen ihre Enkel, in der Welt ihrer Großeltern zu leben.

Spießigkeit, Behaglichkeit und Gemütlichkeit als Lebenswerte: das ist das eigentliche Man. Mehr Man geht nicht. Alles, was ohne zu hinterfragen für Normen und Werte gehalten wird, alles Freiheit verhindernde und Missbrauchs- und Misshandlungsopfer in toxische Beziehungen zurückschämende Verhalten („Wie kannst du deine Mutter verlassen!“ „Aber er ist dein Vater!“) kommt daher. Auch der fürsorgliche Priester, der seinesgleichen vor strafrechtlicher Verfolgung schützt, will doch nur uns alle vor Schaden bewahren, denn die Aufdeckung von Kinderschändereien in der Kirche würde diese ja als die Gesellschaft zusammenhaltende Institution zerstören und den Untergang aller Werte nach sich ziehen.

NT: Toxische Männlichkeit

 

 

 

Die NT-Intellektuellen (als Persönlichkeitstyp, nicht im philosophischen oder gar umgangssprachlichen Sinne, also ENTJ, ENTP, INTJ, INTP) sind, figurativ gesprochen, der Kopf der Menschheit, die NF-Idealisten das Herz (Muskeln: SP-Macher, Skelett: SJ-Bewahrer). Ultradekadente Gesellschaften stinken vom Kopf, wenn das Herz verrottet ist.

Ideen, Pläne, Visionen, Systeme: das alles ist zunächst moralisch neutral. Lasterhafte intuitive Denker aber sind die wahren Vollstrecker sogenannter toxischer Männlichkeit. Der egoistische ENTJ in seinem Größenwahn, der INTJ in seiner Paranoia, der luziferische ENTP und das böse INTP-Genie sind für alles Schlechte verantwortlich, das durch intellektuellen Zugang zur Wirklichkeit, sprich Naturbeherrschung und technischen Fortschritt, in die Welt gekommen ist.

Das Leben als Spiel (die bösartige ENTP-Ironie eines Luzifer, Negan oder Saul Goodman), der Mensch als Maschine (ein dem INTP naheliegender Gedanke), Beherrschungs- und Vernichtungsträume (ENTJ resp. INTJ): das ist die toxische Männlichkeit in der menschlichen Natur.

Die weiche Zerstörung von innen durch NF-Idealisten und die harte Zerstörung von außen durch NT-Intellektuelle wetteifern derzeit darum, wer die Welt, die Menschheit, den Planeten schneller in den Ruin treibt. Nur gute, im philosophischen und moralischen Sinne idealistische Intellektuelle können die Menschheit vor toxischen NT-Intellektuellen schützen. Wie hart der Kampf und wie verlustreich der Krieg sein muss, wird wiederum von NF-Idealisten entscheidend mitentschieden. Auch eine friedliche Verbesserung der Welt ist denkbar, aber moralisch zu voraussetzungsreich, um die wahrscheinlichste Zukunftsoption zu sein.

 

NF: Toxische Idealisten

 

 

 

Die Idealisten (als Persönlichkeitstyp, nicht im philosophischen oder gar umgangssprachlichen Sinne, also ENFJ, ENFP, INFJ, INFP) halten sich per default für die besseren Menschen. Sie sind etwas besseres, weil sie sich so fühlen; sie sind immer im Recht, besonders moralisch und politisch, weil sie sich so fühlen. Sie sind die selbsternannten Guten.

Solange das idealistische NF-Mindset zu tatsächlichem Idealismus führt, handelt es in der Tat um Menschen, die die Menschheit im weichen Sinne voranbringen (sozial; die Intellektuellen, die NTs, bringen die Menschheit im harten Sinne voran, indem sie die objektiven Lebensbedingungen durch Wissenschaft und Technologie verbessern). Wird aber das gefühlte Gutsein zum Selbstzweck, entstehen egoistische, selbstbezogene, parasitäre Gutmenschen.

Die Objektivität des Guten im Sinne von „Gut ist, wer gutes tut“ wird von den subjektivistischen Guten, den NF-Gutmenschen, bestritten. Sie müssen nicht erst Gutes tun, um gut zu sein. Für sie reicht es schon, gute Absichten zu haben; und diese Absichten kundzutun, halten sie schon für gute Taten, was wiederum nur für sie selbst gilt, und nicht für andere: die Anderen müssen schon was tun, und zwar nie genug, sie werden den Idealisten nie gut genug sein, sondern immer Rassisten, Sexisten usw. usf.

Politisch führt ein toxisches bzw. lasterhaftes NF-Mindset zu Fehlentwicklungen von Social Justice und Cancel Culture bis zu Kommunismus und Faschismus. Privat richtet die Verderbtheit dieser Leute besonders in menschlichen Beziehungen großen Schaden an. Selbstgerecht, verlogen, und doch die verletzte Unschuld oder die Heiligen spielend, zerstören sie Vertrauen und die Liebesfähigkeit ihrer Mitmenschen. Das beste Gegenmittel gegen toxische NF-Idealisten sind gute NF-Idealisten, denn auf die „kaltherzigen“ NT-Intellektuellen werden die lasterhaften NFs nicht hören, und die SJ-Bewahrer und SP-Macher werden mit ihrer alternativlos empiristischen Realitätsbezogenheit von diesen „besseren Menschen“ nur für ignorant und dumm gehalten.