Montag, 23. Februar 2026

Die Dalit-Weltordnung

 

Die Nominalistische Wende war im Grunde die Ablösung der Lehrstand-Ordnung durch die Wehrstand-Ordnung, die Revolution der abendländischen Kshatriyas gegen die Brahmanen, so wie sie halt waren. Die heutigen indischen Brahmanen sind eine Erbkaste und haben nichts mit der ursprünglichen Bedeutung (ontologischer Status der Seele) dieser Zugehörigkeit gemeint. Also ist die angefangene Betrachtung nur bedingt wertend gemeint.


Kaufleute (Vaishyas) ersetzen als Machtelite den Adel: das ist die bürgerliche Gesellschaft. Der Sozialismus und der Kommunismus waren Shudra-Auflehnungen gegen die Vaishyas, Arbeiterklasse gegen kapitalistische „Unterdrücker“. Wobei nur in einer entarteten Gesellschaft die Schicht, die oben steht, die unteren Schichten unterdrückt, doch eigentlich ist eine Hierarchie eine heilige Herrschaftsordnung, in der jeder an seinem Platz ist.


Was bei einer Vaishya-Herrschaft herauskommt, dazu siehe die für besseren Lesegenuss polemisch aufgedröselte Anmerkung. Der Sozialismus und der Kommunismus sind krachend gescheitert, in roter und brauner Ausführung. Wobei der Faschismus wiederum eine eigenartige Vaishya-Shudra-Bewegung mit Kshatriya-Simulation war. Die Kapitalisten haben den Klassenkampf haushoch gewonnen, die Bodenbildung der Herrschaft hat stattgefunden: alles, was unter dem oberen Dritten Stand ist, kann nur dienen, und wenn es herrscht, hat es destruktive Folgen bis zur Zerstörung im besten Fall nur der Gesellschaft.


Doch was wurde aus den siegreichen Ländern der Vaishya-Weltordnung? Durch geistig-moralische Ultradekadenz hat ein Schulterschluss der Vaishyas mit den Dalits stattgefunden. Die verrottete bürgerliche Gesellschaft hat zumindest kulturell und sozial die Unberührbaren an die Macht gelassen, und das sind eben Nietzsches Missratene, Schelers Ressentimentmenschen. 


Und in den Ländern der gescheiterten Shudra-Revolution? Da sind andere Unberührbare an die Macht gekommen: die Verbrecher. Ob Putins Russland oder Maduros Venezuela: eine Verbrecherbande kontrolliert die Staatsressourcen und verteilt die Erlöse aus dem Rohstoffhandel an ihre Vassallen. Willkommen in der Dalit-Weltordnung!



Nietzsche diagnostizierte mit "Gott ist tot" in diesem Kontext die Abschaffung des Guten als Ideal: an die Stelle des Guten trat der Sozialismus als dessen weltimmanentes Substitut (theologisch gesprochen: als dessen satanische Verkehrung). Das Ideal des Schönen wird seit dem Ende der Renaissance nicht mehr gegolten haben. Das Ideal des Wahren ist in den Totalitarismen des 20. Jahrhunderts verloren gegangen. 


Das gegenwärtige Bestreiten von Tatsachen (Fake News, Leungung wissenschaftlicher Fakten usw.) richtet sich nicht mehr gegen die Wahrheit, die lange nichts mehr bedeutet: dieser Wahnsinn bestreitet die allem zugrundeliegende basale Realität. In wenigen Jahren wird der Endzustand der Ultradekadenz erreicht sein:



Die Degeneration zum letzten Menschen nach Nietzsche:

1930-er: Puerilismus (diagnostiziert von Huizinga)

1960-er: Feminisierung (Anspruchshaltung, dementsprechend Nanny State)

1990-er: Infantilisierung (Spaß als einziger Lebensinhalt nach dem Ende des Kalten Krieges, die Welt als Vergnügungspark)

2020-er: Verfötung (völliger Verlust der Handlungsfähigkeit, Menschen passiv-aggressiv, sehen ineinander Ersatzeltern, letztlich totale Abhängigkeit von der KI).




Sonntag, 15. August 2021

Das gegenwärtige Antisystem

 
 
Ultradekadenz ist an sich ein wehrloser Zustand, der sich nicht selbst erhalten kann. Dass der ultradekadente Westen einen wehrhaften, vitalen Kern hat, deutet auf ein Antisystem nach Lew Gumiljow hin: Antisysteme sind lebensfeindliche, negativistische psychopolitische Paradigmen, die sich früher, als Religionen das allgemeine Bewusstsein dominierten, auch selbst als Religionen präsentierten (z. B. Manichäismus).

Das Leben dient im spätkapitalistischen Antisystem der toten Materie: Vernichtung von Lebensräumen und Arten, Störung des Weltklimas, Vermüllung der Umwelt. Auch der Mensch als lebendes Wesen hat nichts davon. Alles richtet sich nach der Logik des Profits. Das Kapital ist totes bzw. maschinenartiges Subjekt, es lebt nicht, es fühlt nicht. Aber es vernichtet Leben, es zerstört die menschliche Psyche. Es eignet sich parasitär Errungenschaften des menschlichen Geistes an und lässt als Abfallprodukt eine Art Schlaraffenland entstehen, doch der Wohlstand dient nicht dem Wohl der Menschen, sondern bringt sie zum Schweigen, bricht ihren Widerstand, macht sie passiv und abhängig. Die Degeneration der Gesellschaft zur totalen Ultradekadenz wird beschleunigt und global exportiert.

Wie in Giorgio Agambens KZ-Paradigma wird das Leben nicht als Subjekt betrachtet, sondern vom System als nacktes, verfügbares, beherrschbares Leben behandelt. Es wird unter die Herrschaft toter Materie gebracht. Ein globales Antisystem zerstört wie jedes Antisystem sich selbst (z. B. antinatalistische Sekten zerstören sich selbst, indem ihre Mitglieder aussterben), aber erst nachdem es die ganze Welt in eine Antiwelt verwandelt hat. Selbstverständlich wehren sich alle Völker und Kulturen, die nicht ultradekadent sind, gegen dieses KZ-Antisystem.

Weil Siddharta ein Kshatriya war

 

Das Rad des Samsara dreht sich trotz all der Offenbarungen und Weltrettungen weiter. Also setz dich einfach hin und denk nach:


Wenn du ein Kshatriya bist: Erlösung ist kein Kampf. Die Täuschung (Maya) ist nicht gewaltsam zu überwinden. Dem Rad des Samsara ist nicht durch Kampf oder Leistungssport zu entkommen.


Wenn du ein Vaishya bist: Erlösung ist kein Geschäft. Mohammed war Geschäftsmann. Was ist der Islam?


Wenn du ein Shudra bist: Erlösung ist kein Frondienst. Jesus war Tischler. Das Leben des Christen ist trostlose Arbeit.



Bevor es darum geht, wie es geht, wie es überhaupt nicht geht: Die Wokeismus-Religion ist ein Kult der Dalits (Unberührbaren). Darum gilt das Schmutzige, Hässliche und Entstellte denen als erstrebenswert.


Und was macht ein Brahmane? Er lässt sich das Rad des Samsara am Arsch vorbei rollen: es wird um das Seelenheil weder gekämpft noch gefeilscht, es wird dafür kein Frondienst geleistet und schon gar nicht (Geistes-)Krankheit und Selbstzerstörung dafür getrieben. Das sind die Methoden der Anhaftenden.


Der Brahmane weiß, dass diese Welt ihm nichts geben kann: er ist immun gegen ihr Lob und für ihren Tadel unempfindlich. Er sieht durch den Schleier der Maya direkt hindurch, und lässt das Rad des Samsara als das fünfte an seinem Wagen am Wegesrand liegen. 


Ein echter Brahmane ist einer, der wahrhaftig, ohne Getue, auf diese Welt blickt und sagt: „Das alles ist mich nicht wert“.




Buddhismus: Du kommst ins Paradies der Ruhe.

Islam: Du kommst ins Paradies des Luxus.

Christentum: Du kommst ins Paradies der Gerechtigkeit. 

Alles, wenn als religiös/spirituell verstanden, jenseitige Ziele. 

Wokeismus: Du wirst nicht mehr diskriminiert, und endlich eine gleichberechtigte Speiche am Rad des Samsara.

Samstag, 21. Februar 2026

Das Wort zum Gutentag

 Das Verb zum Guten ist unterscheiden, trennen; lieben ist das Verb zum Schönen, aber das Schöne kann sich nur nach der Verwirklichung des Guten entfalten, und ist vorher bloßer Schein.




Moral wird vergiftet, wenn das Lieben als eine dem Guten angehörige moralische Pflicht gelehrt wird. Und der Liebeszwang zerstört die Fähgkeit zu lieben. 

Wer integrieren will, ohne vorher zu differenzieren, endet nicht im Pantheismus sondern im Pankakismus: die Welt, undifferenziert als "gut" oder "göttlich" verklärt, wird zu einem weltgroßen Klumpen Scheyße.



Den Fehler, Religion auf bloße Moralität zu reduzieren, habe ich schon gemacht. Ist der buddhistische Nihilismus nicht darauf die richtige Antwort: wenn der Sinn des Lebens einzig darin besteht, das Leid der anderen zu minimieren, wäre doch besser, wenn einfach nichts mehr wäre; das Nichts als moralisch vollkommener Zustand.

Wer Moralität absolut setzt, ruft den praktischen Nihilismus, den Willen zum Nichts als Idealzustand. Die moralische Reinheit wäre das absolute Nichts. Darum kann das moralisch Gute nur sinnvoll sein, wenn es einem positiv Selbstzweck untergeordnet ist, und dieser kann nur das Schöne sein. 


Es ist eine teuflische Dialektik, dass Moral sich absolut setzt, letztlich zu absoluter Fürsorge wird, die konsequenterweise absolute Vernichtung aller fühlenden Wesen erfordert.

Wer das reine Gute will, will die absolute Vernichtung.


Die Verabsolutierung der Moral in der Religion (Religionsschrift des späten Kant) ist nihilistisch, weil sie keine positiven Zwecke setzen kann (Kant sieht es als Lob für seine Ethik, dass selbst „ein Volk von Teufeln“ damit friedlich leben könnte, aber das ist kein Lob, sondern das erschreckendste Eingeständnis von Nihilismus).

Keine Lust auf Moral

 

Was will ich, völlig amoralisch? Ich will, dass Unschuld unversehrt bleibt, das Zartheit geschützt wird, dass Talente sich entfalten können, dass Kranke geheilt werden, und ich trage ohne jede moralische Pflicht aus eigener Lust dazu bei.


Wenn jemand Böses will, was ist wahrscheinlicher, dass er es sich durch Moral ausreden lässt, oder dass er moralische Argumente benutzt, um zu rechtfertigen, dass er es tun darf?





Gedankenexperiment: jedem wird von religiöser und moralischer Seite gesagt: „Mach, was du willst!“ Das Rechtssystem bleibt, aber die moralische Erziehung fällt weg. Werden sich die Menschen besser oder schlechter verhalten?

Das Recht wird ja den Schaden schlechten Verhaltens minimieren, so wie aktuell übrigens auch. Was wird sich also wirklich ändern? Keine moralische Rechtfertigung für destruktives Verhalten, da Verhalten allgemein nicht mehr moralisch gerechtfertigt wird. Keine Ausreden also: wer nichts Gutes im Sinne hat, kann es nicht in moralische Gewänder kleiden. Kein moralisches Gerechtigkeitsgefühl, keine Ressentiments entstehen im Geheimen, denn Hass darf wie Liebe ungehindert fließen (nur Verbrechen werden halt bestraft). Ich denke, Menschen werden so mit der Zeit von sich aus besser

Samstag, 26. Juli 2025

Ontologisches Ausland

 

 

 

 Ich schiebe eine ruhige Kugel durch das sommerabendliche Berlin. Nicht entfremdet, fremd fühle ich mich. Ich bin in einem Entwicklungsland unterwegs, das die basalsten Grundlagen negentropischer Ordnung nicht kennt.

Ich habe hier keine Verbindung zu gar nichts; mir ist alles hier so fremd, dass ich mich nicht einmal verloren fühle: für diese Fremdheit gibt es keinen sprachlichen Ausdruck. 

Ich habe hier mit nichts etwas zu tun, bin auf den festen Punkt meines Selbst zurückgetreten und genieße die Diskretion.

Ich stehe im richtigen Verhältnis zu meiner gegenwärtigen Umwelt und empfinde daher keine kognitive Dissonanz: die Harmonie der Ruhigen Kugel.

 

Nicht gut genug

 

 

 

 Diese Welt ist mir nicht gut genug.

Exkurs: Meine gesamte Sozialisation war ein narzisstischer Missbrauch. Ich habe den Großteil meines Leben traumatisiert verbracht: krankhafte Schuldgefühe, Zwangsneurosen, schwere Depression. Ich habe mich selbst geheilt und betrachte diese Welt nicht mehr durch die Brille der Krankheit. Und...

..sie ist mir nicht gut genug. Die Landschaften sind zu öde, das Essen zu fade, das Organische zu eklig, die Menschen zu einfältig. Die Möglichkeiten, in diesem Leben etwas zu machen, sind mir nicht interessant genug, die Frauen sind nicht attraktiv genug, das mögliche Vergnügen langweilt zu schnell oder macht gar nicht erst neugierig.

Wer mir vorwirft, der Fuchs mit den sauren Trauben zu sein, ist ein Missratener und projiziert sein Ressentiment auf mich. Ich kann nichts für seine ontologische Minderwertigkeit, seine Boshaftigkeit, seinen Narzissmus. Der selbstimmantente narzisstische Vollwichser will den Wohlgeratenen, der über diese Welt die Nase rümpft, in die Weltimmanenz zwingen. 

Ich bin aufrichtig und luzide. Ich habe diese Welt gesehen und sie hat mir nicht gefallen. Das ist nicht mein Fehler. Diese Welt kann mich nicht motivieren: sie hat keine Belohnungen zu bieten, die mich ansprechen.

Ich habe nicht vor, aus Protest den Freitod zu wählen. Ich lebe in Ruhe weiter: ohne Ziele, ohne Erwartungen. Ich gehe davon aus, dass nach dem Tod noch etwas kommt. Aber davor ruhe ich mich erstmal aus.

Primitive Religionen

 

 

 

 

 Primitive Religionen sind ursprünglich: da geht es um die Transzendenzbindung und den Sinn des Lebens. Der Schamane öffnet die Tür zur Transzendenz: direkt, ohne institutionelle Vermittlung, die den Transzendenzzugang blockiert und an ihre Stelle ein soziales moralisch-sittliches Konstrukt setzt.

Religionen, die die Gesellschaft verabsolutieren, sind verschleierte Weltimmanenz, narzisstischer Missbrauch der Transzendenz. In solchen Religionen müssen vor allem Mystiker die Transzendenzbindung wiederherstellen, aber die Herde der Transzendenzunmündigen bleibt dennoch unter totaler Herrschaft weltimmanenter Institutionen.