Samstag, 21. Februar 2026

Das Wort zum Gutentag

 Das Verb zum Guten ist unterscheiden, trennen; lieben ist das Verb zum Schönen, aber das Schöne kann sich nur nach der Verwirklichung des Guten entfalten, und ist vorher bloßer Schein.




Moral wird vergiftet, wenn das Lieben als eine dem Guten angehörige moralische Pflicht gelehrt wird. Und der Liebeszwang zerstört die Fähgkeit zu lieben. 

Wer integrieren will, ohne vorher zu differenzieren, endet nicht im Pantheismus sondern im Pankakismus: die Welt, undifferenziert als "gut" oder "göttlich" verklärt, wird zu einem weltgroßen Klumpen Scheyße.



Den Fehler, Religion auf bloße Moralität zu reduzieren, habe ich schon gemacht. Ist der buddhistische Nihilismus nicht darauf die richtige Antwort: wenn der Sinn des Lebens einzig darin besteht, das Leid der anderen zu minimieren, wäre doch besser, wenn einfach nichts mehr wäre; das Nichts als moralisch vollkommener Zustand.

Wer Moralität absolut setzt, ruft den praktischen Nihilismus, den Willen zum Nichts als Idealzustand. Die moralische Reinheit wäre das absolute Nichts. Darum kann das moralisch Gute nur sinnvoll sein, wenn es einem positiv Selbstzweck untergeordnet ist, und dieser kann nur das Schöne sein. 


Es ist eine teuflische Dialektik, dass Moral sich absolut setzt, letztlich zu absoluter Fürsorge wird, die konsequenterweise absolute Vernichtung aller fühlenden Wesen erfordert.

Wer das reine Gute will, will die absolute Vernichtung.


Die Verabsolutierung der Moral in der Religion (Religionsschrift des späten Kant) ist nihilistisch, weil sie keine positiven Zwecke setzen kann (Kant sieht es als Lob für seine Ethik, dass selbst „ein Volk von Teufeln“ damit friedlich leben könnte, aber das ist kein Lob, sondern das erschreckendste Eingeständnis von Nihilismus).

Keine Lust auf Moral

 

Was will ich, völlig amoralisch? Ich will, dass Unschuld unversehrt bleibt, das Zartheit geschützt wird, dass Talente sich entfalten können, dass Kranke geheilt werden, und ich trage ohne jede moralische Pflicht aus eigener Lust dazu bei.


Wenn jemand Böses will, was ist wahrscheinlicher, dass er es sich durch Moral ausreden lässt, oder dass er moralische Argumente benutzt, um zu rechtfertigen, dass er es tun darf?





Gedankenexperiment: jedem wird von religiöser und moralischer Seite gesagt: „Mach, was du willst!“ Das Rechtssystem bleibt, aber die moralische Erziehung fällt weg. Werden sich die Menschen besser oder schlechter verhalten?

Das Recht wird ja den Schaden schlechten Verhaltens minimieren, so wie aktuell übrigens auch. Was wird sich also wirklich ändern? Keine moralische Rechtfertigung für destruktives Verhalten, da Verhalten allgemein nicht mehr moralisch gerechtfertigt wird. Keine Ausreden also: wer nichts Gutes im Sinne hat, kann es nicht in moralische Gewänder kleiden. Kein moralisches Gerechtigkeitsgefühl, keine Ressentiments entstehen im Geheimen, denn Hass darf wie Liebe ungehindert fließen (nur Verbrechen werden halt bestraft). Ich denke, Menschen werden so mit der Zeit von sich aus besser

Samstag, 26. Juli 2025

Ontologisches Ausland

 

 

 

 Ich schiebe eine ruhige Kugel durch das sommerabendliche Berlin. Nicht entfremdet, fremd fühle ich mich. Ich bin in einem Entwicklungsland unterwegs, das die basalsten Grundlagen negentropischer Ordnung nicht kennt.

Ich habe hier keine Verbindung zu gar nichts; mir ist alles hier so fremd, dass ich mich nicht einmal verloren fühle: für diese Fremdheit gibt es keinen sprachlichen Ausdruck. 

Ich habe hier mit nichts etwas zu tun, bin auf den festen Punkt meines Selbst zurückgetreten und genieße die Diskretion.

Ich stehe im richtigen Verhältnis zu meiner gegenwärtigen Umwelt und empfinde daher keine kognitive Dissonanz: die Harmonie der Ruhigen Kugel.

 

Nicht gut genug

 

 

 

 Diese Welt ist mir nicht gut genug.

Exkurs: Meine gesamte Sozialisation war ein narzisstischer Missbrauch. Ich habe den Großteil meines Leben traumatisiert verbracht: krankhafte Schuldgefühe, Zwangsneurosen, schwere Depression. Ich habe mich selbst geheilt und betrachte diese Welt nicht mehr durch die Brille der Krankheit. Und...

..sie ist mir nicht gut genug. Die Landschaften sind zu öde, das Essen zu fade, das Organische zu eklig, die Menschen zu einfältig. Die Möglichkeiten, in diesem Leben etwas zu machen, sind mir nicht interessant genug, die Frauen sind nicht attraktiv genug, das mögliche Vergnügen langweilt zu schnell oder macht gar nicht erst neugierig.

Wer mir vorwirft, der Fuchs mit den sauren Trauben zu sein, ist ein Missratener und projiziert sein Ressentiment auf mich. Ich kann nichts für seine ontologische Minderwertigkeit, seine Boshaftigkeit, seinen Narzissmus. Der selbstimmantente narzisstische Vollwichser will den Wohlgeratenen, der über diese Welt die Nase rümpft, in die Weltimmanenz zwingen. 

Ich bin aufrichtig und luzide. Ich habe diese Welt gesehen und sie hat mir nicht gefallen. Das ist nicht mein Fehler. Diese Welt kann mich nicht motivieren: sie hat keine Belohnungen zu bieten, die mich ansprechen.

Ich habe nicht vor, aus Protest den Freitod zu wählen. Ich lebe in Ruhe weiter: ohne Ziele, ohne Erwartungen. Ich gehe davon aus, dass nach dem Tod noch etwas kommt. Aber davor ruhe ich mich erstmal aus.

Primitive Religionen

 

 

 

 

 Primitive Religionen sind ursprünglich: da geht es um die Transzendenzbindung und den Sinn des Lebens. Der Schamane öffnet die Tür zur Transzendenz: direkt, ohne institutionelle Vermittlung, die den Transzendenzzugang blockiert und an ihre Stelle ein soziales moralisch-sittliches Konstrukt setzt.

Religionen, die die Gesellschaft verabsolutieren, sind verschleierte Weltimmanenz, narzisstischer Missbrauch der Transzendenz. In solchen Religionen müssen vor allem Mystiker die Transzendenzbindung wiederherstellen, aber die Herde der Transzendenzunmündigen bleibt dennoch unter totaler Herrschaft weltimmanenter Institutionen. 

Nichts zu gewinnen

 

 

 

 

 Nichts zu verlieren hat auch der Nihilist. Ich hatte mit 18 nichts zu verlieren und hätte ungegangener Wege diese Welt verlassen können.

Das seitdem Anverwandelte kann ich nicht mehr verlieren, ich würde auch heute auf dieser Welt nichts zurücklassen. Ich habe nichts und bin mehr als alles.

Doch erst seit ich nichts mehr zu gewinnen habe, bin ich wahrhaft frei. Keiner kann mir etwas von Wert geben: diese Welt kann mich nicht mehr belohnen. 

Ich schulde niemandem etwas, ich erwarte nichts. Ich bin beziehungslos: all-ein und eins-am. Ich bin die verwirklichte Dihairesis, absolute Trennung: ich bin von allem Nicht-Absoluten getrennt.

Sonntag, 6. Juli 2025

Tacheletisch-rhetorische Fragen

 

 

Was hast du von Reichtum, Status und Macht, wenn das Einzige, was du tatsächlich phänomenal erlebst, der Geruch von Scheisse und der Geschmack von Pisse sind?


Wenn du verzweifelt oder depressiv bist, siehst du die Realität schwarz, aber was ist, wenn, wie Cioran sagte, du eben nicht depressiv bist, sondern nur aufgewacht, und endlich die Realität siehst, wie sie ist? Dass eine solche Realität letztlich krank macht, macht ihre Trostlosigkeit nicht zu einer kranken Phantasie.


Warum im Hamsterrad der Belohnung mitlaufen, wenn es sich bei den Belohnungen in der Regel nur um Versprechen handelt, und, wenn es hochkommt, um symbolische Belohnungen?


Wozu sich mit anderen vergleichen, wenn ihr beide letztlich nur leidet?






Das ist im Grunde ein Lackmustest für Echtheit: Person, die Qualia erlebt, oder NPC.

Das sind die Basisfragen der Existenzphilosophie, wenn es eine gibt, die kein Getue ist. 

Wenn als Antwort Abwertung des Fragenden oder Beschönigung der Realität erfolgt, ist so gut wie sicher, dass die Antwort von einem NPC kommt.


Erst wenn dieser Test bestanden ist, macht die Frage, was fehlt, um glücklich zu sein, überhaupt Sinn. Ansonsten werden Antworten, die sozialen Erwartungen entsprechen, zu hören sein, oder scheinbare Weisheiten, die sich bei näherer Betrachtung als Bullshit enthüllen.