Das Verb zum Guten ist unterscheiden, trennen; lieben ist das Verb zum Schönen, aber das Schöne kann sich nur nach der Verwirklichung des Guten entfalten, und ist vorher bloßer Schein.
Moral wird vergiftet, wenn das Lieben als eine dem Guten angehörige moralische Pflicht gelehrt wird. Und der Liebeszwang zerstört die Fähgkeit zu lieben.
Wer integrieren will, ohne vorher zu differenzieren, endet nicht im Pantheismus sondern im Pankakismus: die Welt, undifferenziert als "gut" oder "göttlich" verklärt, wird zu einem weltgroßen Klumpen Scheyße.
Den Fehler, Religion auf bloße Moralität zu reduzieren, habe ich schon gemacht. Ist der buddhistische Nihilismus nicht darauf die richtige Antwort: wenn der Sinn des Lebens einzig darin besteht, das Leid der anderen zu minimieren, wäre doch besser, wenn einfach nichts mehr wäre; das Nichts als moralisch vollkommener Zustand.
Wer Moralität absolut setzt, ruft den praktischen Nihilismus, den Willen zum Nichts als Idealzustand. Die moralische Reinheit wäre das absolute Nichts. Darum kann das moralisch Gute nur sinnvoll sein, wenn es einem positiv Selbstzweck untergeordnet ist, und dieser kann nur das Schöne sein.
Es ist eine teuflische Dialektik, dass Moral sich absolut setzt, letztlich zu absoluter Fürsorge wird, die konsequenterweise absolute Vernichtung aller fühlenden Wesen erfordert.
Wer das reine Gute will, will die absolute Vernichtung.
Die Verabsolutierung der Moral in der Religion (Religionsschrift des späten Kant) ist nihilistisch, weil sie keine positiven Zwecke setzen kann (Kant sieht es als Lob für seine Ethik, dass selbst „ein Volk von Teufeln“ damit friedlich leben könnte, aber das ist kein Lob, sondern das erschreckendste Eingeständnis von Nihilismus).