Mittwoch, 22. November 2017
Das Leiden am Leiden
Das unerträgliche Leiden am Leiden in dieser Welt (das eigene Leiden ist gemient, nicht der Weltschmerz) resultiert aus einer feigen ablehnenden Haltung gegenüber dem Suizid. Der Suizid ist sowohl ein legitimer Ausweg aus dem Leiden als auch ein Zeichen von Weisheit und Größe in dem Sinne, dass jemand weiß, wann er genug gelebt hat, und selbstbestimmt sein Leben beenden kann.
Die ablehnende Haltung gegenüber dem Suizid resultiert sowohl aus der feigen Sklavenmoral als auch aus der Tatsache, dass die Mächtigen Sklaven und Diener brauchen und dass weibliche und narzisstische Charaktere sich selbst nicht genügen, und Wirte für energetischen Vampirismus und psychischen Kannibalismus suchen. Die niederträchtige Masse der sklavischen Feiglinge, die mächtigen Schurken und alle schelchten und bösen Menschen sind daran interessiert, dass unglückliche und gute Menschen (kann auch zusammenfallen, muss aber nicht) als Ressource verfügbar bleiben.
Wer alles getan hat, was in seiner Macht war, um das Gute zu tun, hat sich in diesem Leben bewährt, und ist nicht moralisch verpflichtet, einen elenden Tod abzuwarten, sondern hat das Recht, stolz und in Würde (und mit Aussicht auf Wiedergeburt in einer besseren Welt) dieses Leben zu verlassen. Eine Pflicht zum Suizid besteht jedoch nicht: ein positiv-sakrifizieller Feldzug gegen das Böse (vorausgesetzt man ist wirklich gut, und kein ideologisch verblendeter Fanatiker) mit einem glorreichen Tod im Kampf ist bei unmöglicher Fortsetzung des Lebens in dieser Welt ebenso legitim.
Sonntag, 12. November 2017
Feine und keine Unterschiede
Es gibt feine Unterschiede, und es gibt Unterschiede, die keine sind. Ob eine Hure sofort mit Bargeld oder mit lebenslanger Versorgung bezahlt wird, ist kein Unterschied. Ob eine Frau aus ästhetischen (für sich selbst) oder aus sexuellen Gründen (um ihren Körper feilzubieten) auf ihr Äußeres achtet, ist ein feiner Unterschied.
Ein edler Mann und ein Dreckskerl machen einem Mädchen Geschenke. Äußerlich kein Unterschied. Weil der Unterschied nicht offensichtlich ist, ist er eben fein: der Dreckskerl will das Mädchen mit den Geschenken kaufen, und endlich zur Frau machen, während der edle Mann der Schönheit des Mädchens Tribut zollt, und selbstredend keine Gegenleistung erwartet.
Der gute Heide verehrt die Sonne, weil sie da ist, der schlechte Heide betet die Sonne wegen ihres Nutzens für die Landwirtschaft an. Der gute Christ verehrt Gott, weil er Gott ist (das allerheiligste Wesen, der Quell aller Heiligkeit, das Sinnbild der Würde, der absolute Selbstzweck), der schlechte Christ will Gott wie eine Kuh melken, und erwartet für seinen Glauben Belohnung.
Feine Unterschiede sind Unterschiede, die äußerlich keine sind. Unterschiede, die keine sind, führen einen Exhibitionismus der Unterschiedlichkeit auf: es gibt Abertausende religiöse und aberreligiose Kulte, unzählige Wege von Betrug, Hurerei und Mord, viele Sprachen, Völker und Kulturen. Dennoch sind ihre Unterschiede untereinander nur vorgetäuscht: sämtliche Kulte beten einen Teil als das Ganze an, jedes Unrecht ist ein Unrecht, und die Vertreter verschiedener Völker sind entweder Menschen (wenn sie ein transzendentales Ich aufweisen) oder Tiere (wenn sie ausschließlich biologisch gesteuert sind).
Unterschiede, die nicht wesentlich sind, sind keine. Künstlich gemachte oder an Haaren und anderen Äußerlichkeiten herbeigezogene Unterschiede sind keine. Wenn die meisten Menschen miteinander diskutieren, streiten sie sich um künstlich gemachte oder unwesentliche Unterschiede. Im Grunde sind alle immer deselben Meinung (die jeweils dem intellektuellen Entwicklungsniveau entspricht), nur hat der Eine diese Meinung in Grün, der Andere in Blau.
Freitag, 3. November 2017
Sexualität und Religion
Naturreligionen können nicht sexualfeindlich sein. Sie sind gottlos. Sie beten das Nichts an, nein, schlimmer, den Schein, zu dem sich das Nichts herablässt. Sie sind Angstneurosen, die aus der Furcht vor einer grausamen und unberechenbaren Natur resultieren.
Gattungsreligionen sind ebensowenig sexualfeindlich. Was ist eine Gattungsreligion? Zum Beispiel eine Religion, die befiehlt, fruchtbar zu sein, und sich zu mehren. Eine solche Religion setzt der Sexualität immerhin Schranken, stellt sie unter Gesetze, - doch im Zweifel billigt sie Unzucht, Inzucht und Vergewaltigung, wenn die Gattung dadurch einen Vorteil gewinnt.
Welche Religionen können überhaupt sexualfeindlich sein? Niemals jene, die die Sexualität beschränken, wie eine wilde Bestie, die ohne Schranken nur ihre eigenen Lebensgrundlagen zerstören würde. Religionen, die Monogamie, Ehe und Sex zum Zweck der Fortpflanzung propagieren, sind keine sexualfeindlichen Religionen, - sie sind vielmehr Sexualreligionen.
Sexualität ist Gattung. Das Gegenteil von Sexualität ist Individualität. Nur eine Religion, die ohne Rücksicht auf die Erhaltung der Gattung Keuschheit predigt, ist eine wahrhaft für moralische Personen geeignete Religion, eine Individualreligion. Nur hier hat die Eigenverantwortung des Einzelnen einen Sinn, da seine moralische Verantwortlichkeit nicht im Leichenkeller der Gattungsgeschichte untergeht, sondern einen welttranszendenten Richter fordert.
Ich bin ein Ich, eine moralische Person, kein bloßes Glied in der Kette des Ewiggleichen: Geburt und Tod. Ich habe eine Würde, einen absoluten Wert, und bin dem Geist - wenn nicht Gott, dem absoluten Ich, so doch mir selbst, meinem Ich, - verpflichtet, diese Würde zu bewahren, - und nicht der Gattung, ihre Existenz zu erhalten.
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